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Wilhelm-Grobben-Straße

Kempener Mundart- und Heimatdichter

In der angesehenen Handwerkerfamilie Grobben kam 1. Oktober 1895 der Sohn Wilhelm zur Welt. Das Elternhaus stand damals in der Peterstraße. Nach seiner Schulzeit besuchte Wilhelm das Königliche Lehrerseminar, um Volksschullehrer zu werden.

Im Ersten Weltkrieg unterbrach er seine Ausbildung, um als Freiwilliger an die Front zu gehen. Dort stieg er rasch zum Leutnant und Kompanieführer auf. Eine schwere Verwundung im letzten Kriegsjahr setzte ihn für mehrere Jahre „außer Gefecht“. Als er wiederhergestellt war, übernahm er seine erste Stelle an der Volksschule in Sonsbeck. Ab 1925 schließlich konnte er seinen Beruf in Kempen ausüben; er übernahm die Leitung der neu errichteten Hilfsschule. Neun Jahre später stieg er zum Rektor der Katholischen Knabenschule auf.

Weniger durch seine Lehrtätigkeit als vielmehr durch seine Mundart- und Heimatdichtungen erregte er Aufsehen. Seine Lyrik war in mehreren Gedichtbänden überliefert. Darin beschrieb er das Leben in der Natur, die Kameradschaft während des Krieges oder ganz einfach die Liebe. Einen großen Erfolg konnte er im Jahre 1939 verbuchen, als er im Wuppertaler Mundartdichter-Wettbewerb unter 54 Mitbewerbern den ersten Preis, den „Goldenen Spatz“, erhielt. Mit seinen Arbeiten konnte er beweisen, dass der Dialekt einer Region durchaus geeignet sein kann, Gedanken und Empfindungen literarisch, klar und wirkungsvoll auszudrücken. Und das Mundart nicht nur für die einfachen, sondern auch die gebildeten Schichten der Bevölkerung über den Rahmen der Umgangssprache hinausgehen kann.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges konnte Wilhelm Grobben nicht mehr erleben. Im Alter von nur 49 Jahren war er – am 29. Oktober 1944 – während einer Kur in Bald Wildungen verstorben. An seinem zehnten Todestag war seiner noch mit einer großen Feierstunde im Kempener Kino gedacht worden. Doch während der Sechziger und Siebziger Jahre mehrten sich kritische Stimmen. Denn das Erinnerungsbild an den Heimatdichter wurde getrübt durch Grobbens politische Tätigkeit während des Nazi-Regimes. Immerhin war er als Kreiskulturwart und Ortsgruppenleiter der NSDAP aktiv gewesen, also offensichtlich mehr als ein Mitläufer.

Abgesehen von seiner Rolle während des Nationalsozialismus, stehen jedoch seine Verdienste um die Mundart-Arbeit außer Frage. Eine späte Würdigung wurde Grobbens Werk schließlich 1980 zuteil. Der Verein Linker Niederrhein gab ein Buch unter dem Titel "Daudröppkes" heraus, in dem viele seiner früheren Arbeiten zusammengefasst sind.

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