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Tamborninostraße

Sardischer Zinngießer - fand in Kempen neue Heimat

Die Straßen im Neubauviertel am Krefelder Weg sollen an jene Kunsthandwerker erinnern, die in früheren Jahrhunderten irgendwie in einer Beziehung zur Thomasstadt gestanden haben. Dazu gehören auch Zinngießer wie Franz Joseph Tambornino. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Bonnenzi, der ebenfalls einen italienisch klingenden Namen trug, dessen Familie jedoch schon lange in Kempen ansässig war, ist Tambornino tatsächlich im Königreich Sardinien zur Welt gekommen, im Jahre 1780 in Forno. Seine Mutter Anna Maria Gelga ist auch in der Heimat verstorben. Ob das für den Vater Franz Tambornino Anlass war, die südlichen Gefilde zu verlassen, ist nicht überliefert.

Fest steht jedenfalls, dass der sardische Zinngießer mit dem Rest seiner Familie nach Roermond zog, wo er dann auch das Zeitliche segnete. Von da aus gelangte sein Sohn, der den gleichen Vornamen trug, irgendwann nach Kempen. Vermutlich hat er sich seine Ehefrau Maria Magdalena aus Zinngießerkreisen gewählt. Denn Familien mit deren Namen "Zamponi" hatten sich in Köln angesiedelt. So liegt der Gedanke nahe, dass nicht nur der gleiche Beruf, sondern auch die südeuropäische Herkunft ausschlaggebend für die Partnerinnenwahl gewesen sein könnten.

In Kempen jedenfalls wohnte die Familie Tambornino zuerst auf der Tiefstraße, bevor sie später in die Peterstraße zog, wahrscheinlich in ein größeres Haus. Vermutlich handelt es sich dabei um jenes Gebäude, in dem jetzt eine beliebte Kneipe untergebracht ist. Im Besitz des Kramer-Museums befindet sich noch heute eine große Zinn-Schüssel. Sie hat einen vertieften, tellerartigen Boden, eine senkrechte glatte Wandung und einen scharfkantigen Rand. Unter dem Boden befinden sich die Meister-Initialen "FIT" sowie eine ovale Engelmarke mit den Worten "F.I.Tambornino - Kempen". In den Vormittagsstunden des 3. Mai 1840 meldeten zwei Nachbarn auf der "Bürgermeisterei" das Ableben des Zinngießers. Seine Witwe Maria Magdalena hat offensichtlich die Geschäfte fortgeführt, denn ein Jahr darauf gab sie eine Anzeige auf, die folgenden Wortlaut trug:
"Empfehlung: Unterzeichnete zeigt hierdurch ergebenst an, dass sie das unter ihrem sel. Manne früher bestandene Zinngießerei-Geschäft vor wie nach fortsetzt und empfiehlt sich daher in allerlei Sorten Zinn- und Compositionswaaren, als Maaßen von 1 bis 1/16 Quart, sowie in verschiedenen feinen und ordinairen Stahl- und Blechwaren, unter Versicherung billiger Bedienung. Witwe Tambornino, auf der Peterstraße Nr. 486 in Kempen."

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