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Heinrich-Horten-Straße

Stammvater der Kaufhaus-Dynastie

Vor etlichen Jahren hatte der große Handelskonzern Horten in Kempen den Versuch unternommen, statt eines Riesenkaufhauses ein kleineres Gebäude mit begrenztem Waren-Angebot zu errichten. Die Casino Tennis-Gesellschaft verkaufte für diesen Zweck ihr verkehrsgünstig gelegenes Grundstück am Hessenring. Dem Projekt war allerdings kein Erfolg beschieden - Horten verkaufte an Edeka. Der Grund dafür, dass ausgerechnet Kempen als Standort ausgewählt worden war, dürfte auf die enge Verbundenheit der Familie Horten zu Kempen zurückzuführen sein, deren Aufstieg im 18. Jahrhundert hier begann. An diese Beziehung soll künftig eine Straße im Industriegebiet erinnern, die nach dem Stammvater der Familie benannt ist.

Bereits 1982 hat der damalige Stadtarchivar Jakob Hermes in seinem Buch "Das alte Kempen" den Hortens ein eigenes Kapitel gewidmet. Daraus ist zu erfahren, dass deren Kempener Familien-Chronik im Jahre 1710 begann. Damals nämlich ließ sich ein Matthias Hortensius, der aus Neuss stammte, hier nieder. Dieser hatte zwar einen Sohn mit Namen Theodor, doch liegen über diesen Zweig keine weiteren Nachrichten vor.

Dafür leistete am 3. Januar 1750 ein gewisser Henricus Matthias Horten seinen Bürgereid in Kempen, der - laut dem Taufregister von Neersen - dort am 23. März 1723 zur Welt gekommen war. Noch keine 27 Jahre alt, heiratete er am 12. November 1749 Margareta, die Tochter des damaligen Ratsbürgermeisters Matthias Bücker. Seine Erwählte war stolze 12 Jahre älter als ihr - aus der Pfarre Anrath zugezogener - Ehemann. Zu diesem Zeitpunkt könnte Heinrich schon eine wohlhabende und angesehene Persönlichkeit gewesen sein, denn er musste - mit 5 Talern - das damals höchste Bürgergeld bezahlen.

Seine Einheirat in die "hohen politischen Kreise" Kempens verhinderte allerdings nicht, dass er in späteren Jahren häufig Dispute mit den Stadtvätern hatte. So begann 1756 ein Rechtsstreit mit dem Bürgerhaus Molanus. Heinrich Matthias Horten nämlich, der sich selbst als "Ackerer und Kaufhändler" bezeichnete, betrieb zu jenem Zeitpunkt ein Brauhaus. Wegen angeblicher Brandgefahr protestierte und prozessierte Molanus dagegen; vielleicht weil er selbst im sogenannten Dunkenhaus braute. Die juristische Entscheidung ließ Jahre auf sich warten. Schließlich musste Horten eine hohe Kaution für eventuelle Schäden stellen; danach konnte er seinen Betrieb weiterführen. Hauptsächlich schien er sich mit dem "Viktualienhandel" zu beschäftigen. Er führte Kaffee, Tee, Öl, Butter und Käse aus holländischen und niederrheinischen Regionen ein. Ein weitsichtiger Unternehmungsgeist zeichnete ihn aus.

Trotz der Querelen mit einigen Ratsherren übernahm er in den 60er Jahren mehrmals das "Vierder-Amt" für das Kuhstraßenviertel - eine Art Bürgervorsteher für sein Wohnviertel. 1770 wurde er dann sogar Gemeindebürgermeister. Kurze Zeit später ließ er das mächtige Patrizierhaus an der Kuhstraße bauen, das inzwischen dank der Initiative der Sparkasse restauriert wurde und als deren Hauptniederlassung dient.

Trotz des großen Altersunterschiedes hat Margareta Horten, die am 19. Januar 1790 starb, ihren Mann um etliche Jahre überlebt. Heinrichs Tod war schon am 27. Oktober 1779 zu beklagen. Zu diesem Zeitpunkt war sein zweitältester Sohn Josef Johannes Horten gerade 25 Jahre alt. Von den vier Kindern des Ehepaares schaffte er dann den Sprung zum Großkaufmann und hielt trotz vieler Anfeindungen seiner Heimatstadt Kempen die Treue. Ein öffentliches Amt zu bekleiden, hatte er jedoch wegen etlicher Differenzen stets abgelehnt.

Die enge Verbundenheit zu Kempen demonstrierte in heutiger Zeit niemand anderer als der inzwischen verstorbene Multimillionär und Chef der gleichnamigen Kaufhauskette Helmut Horten. In den 70er Jahren stiftete er der Stadt eine Summe von rund 500.000 DM, etwa 250.000 Euro. Sie sollte zum Bau des Badezentrums an der Berliner Allee verwendet werden.

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