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Elternbefragung - Fragen und Antworten

Zusammenstellung der Fragen und Antworten aus den beiden Elterninformationsabenden

In den beiden Elterninformationsabenden am 22.05.2013 im Forum St. Hubert und am 29.05.2013 in der Mensa an der Martin-Schule haben die anwesenden Eltern eine Vielzahl von Fragen gestellt. Nachfolgend werden die Fragen zusammengefasst aufgelistet, die am häufigsten gestellt wurden bzw. aus Sicht des Schulverwaltungsamtes für die Eltern und Erziehungsberechtigten von Bedeutung sind, die nicht an einer der beiden Veranstaltungen teilnehmen konnten.

Die Fragen sind thematisch in vier Bereiche gegliedert.

  1. Allgemeine Fragen
  2. Fragen zur Schulform Gesamtschule
  3. Fragen zu den anderen Schulformen
  4. Wie geht es nach der Elternbefragung weiter?

 

1)         Allgemeine Fragen

Kempen hat eine gute und bewährte Schullandschaft. Warum ist es nicht möglich, alles so zu lassen wie es ist? Warum ist jetzt eine Elternumfrage notwendig?

Die Anmeldezahlen zur Martin-Schule (Städt. Gem. Hauptschule) sind zum Schuljahr 2013/14 deutlich geringer als in den Vorjahren. Die Schule kann zum nächsten Schuljahr nur noch eine Eingangsklasse (5. Klasse) bilden. Eine Hauptschule muss aber nach den Vorschriften des Schulgesetzes NRW auf Dauer zwei Klassen einrichten können. Sofern sich der Trend fortsetzen sollte, werden an der Hauptschule zum Schuljahr 2014/15 weniger als 18 Schülerinnen und Schüler angemeldet, so dass gar keine Eingangsklasse mehr zustande käme. Die Martin-Schule würde dann – wie bereits einige Hauptschulen in der Nachbarschaft - auf Anweisung der Bezirksregierung Düsseldorf geschlossen und sukzessive auslaufen.

Aus Sicht des Schulträgers ist es daher unerlässlich, sich rechtzeitig über eine Fortentwicklung der Schullandschaft in Kempen Gedanken zu machen, damit auch künftig alle Kinder möglichst in der Stadt Kempen beschult werden können. Darüber hinaus ist landesweit ein Trend zu Schulformen mit längerem gemeinsamem Lernen und mit Abituroption erkennbar, so dass die Befragung der Eltern auch vor diesem Hintergrund sinnvoll ist.

Wie viele Stimmen für eine Gesamtschule werden benötigt, damit eine solche Schule eingerichtet werden kann? Wann würde die Gesamtschule gegebenenfalls eingerichtet?

Davon ausgehend, dass eine Gesamtschule mindestens vierzügig startet und jede Klasse mindestens 25 Schülerinnen und Schüler haben muss, müssen mindestens 100 Stimmen pro Grundschuljahrgang für eine Gesamtschule abgegeben werden. Dabei fordert die Bezirksregierung nur die Abfrage von zwei Jahrgängen (2. und 3. Schuljahr). Der Schulausschuss des Rates der Stadt Kempen hat beschlossen, in Kempen auch die Eltern der Erstklässler zu befragen, um eine noch breitere Basis für die Entscheidung zu haben.

Die Gesamtschule würde dann zum Schuljahr 2014/15 mit der Jahrgangsstufe 5 beginnen. Gleichzeitig würden die Martin-Schule (Gem. Hauptschule) und die Erich Kästner Realschule keine Schüler mehr in die Jahrgangsstufe 5 aufnehmen und dann sukzessive auslaufen.

Wie viele Züge (Klassen pro Jahrgang) würde die Gesamtschule in Kempen voraussichtlich haben?

Eine neue Gesamtschule würde voraussichtlich 6 bis 7 Züge haben. In den nächsten Jahren werden ca. 300 Schüler von den Grundschulen in Kempen auf die weiterführenden Schulen wechseln. Die Verwaltung geht davon aus, dass nur noch wenige Anmeldungen an auswärtigen Schulen erfolgen werden (zum Schuljahr 2013/14 erfolgten 18 Anmeldungen an der Gesamtschule in Krefeld-Hüls und 9 Anmeldungen an umliegenden Sekundarschulen) und damit die meisten der  Schülerinnen und Schüler in Kempen bleiben werden. Weiter geht die Verwaltung davon aus, dass ca. 50 % - also 150 Schüler - auf die beiden Kempener Gymnasien wechseln werden und ca. 50 % und damit ebenfalls 150 Schüler auf die Gesamtschule. Da auch mit der Anmeldung von auswärtigen Schülern zu rechnen ist, wäre dann eine 7-Zügigkeit erforderlich. Noch größere Gesamtschulen werden von der Bezirksregierung Düsseldorf in der Regel nicht genehmigt.

Ist sichergestellt, dass jedes in Kempen wohnhafte Kind an einer Gesamtschule in Kempen auch aufgenommen wird?

Nach Mitteilung der Bezirksregierung Düsseldorf ist dies derzeit nur über die Festsetzung der Zügigkeit in einem Allgemeinen Rahmen möglich. Diese Aussage ist für die Politik und die Verwaltung keineswegs zufriedenstellend und wird in den noch anstehenden Besprechungen mit der Bezirksregierung Düsseldorf thematisiert. Letztlich muss sichergestellt werden, dass jedes Kempener Kind an der Gesamtschule auch Aufnahme findet. Ein Schülertourismus in Form, dass Schüler aus z.B. Wachtendonk oder Kerken an der Gesamtschule Kempen aufgenommen würden und stattdessen Schüler aus Kempen die umliegenden Sekundarschulen in Straelen/Wachtendonk, Grefrath oder Tönisvorst besuchen müssten, sei für die Stadt Kempen nicht akzeptabel.

Warum ist es nicht möglich, die Erich Kästner Realschule zu erhalten, wenn eine Gesamtschule eingerichtet wird?

Die bestehenden Schulgebäude im Schulzentrum reichen nicht aus, neben einer 5 – 6 zügigen Gesamtschule noch eine kleinere – voraussichtlich zweizügige –Realschule mit Schulräumen zu versorgen. Ein Neubau für eine Gesamtschule neben vorhandenen Schulkomplexen der jetzigen Martin-Schule und der jetzigen Erich Kästner Realschule ist finanziell nicht zu vertreten.

Darüber hinaus hätte eine deutlich verkleinerte Realschule nicht mehr die Qualität der heutigen großen Schule, z.B. deutlich weniger Differenzierungsmöglichkeiten im Wahlpflichtbereich.

Werden die Gymnasien unter der Einrichtung einer Gesamtschule leiden? Ist es sinnvoll, neben den beiden Gymnasien noch eine 3. gymnasiale Oberstufe in Kempen zu haben? Wenn man das Berufskolleg dazu nimmt, gäbe es dann sogar 4 gymnasiale Oberstufen in Kempen. Wird dies die Gymnasien gerade in der Oberstufe nicht deutlich schwächen?

Der Schulträger geht davon aus, dass ca. 150 Schülerinnen und Schüler zur Jahrgangsstufe 5 der Gymnasien angemeldet werden. Dazu kommen noch auswärtige Schülerinnen und Schüler, so dass insgesamt 6 Züge für die Gymnasien als gesichert gelten können. Dies gilt für das Schuljahr 2014/15 und aller Voraussicht nach auch im Planungszeitraum der nächsten 5 Jahre.

Die Oberstufen beider Gymnasien sind derzeit und auch im Schuljahr 2013/14 sehr stark und auch überaus attraktiv für auswärtige Schüler. Im Schuljahr 2013/14 werden nach Mitteilung der beiden Gymnasien von April 2013 insgesamt 682 Schülerinnen und Schüler die Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 besuchen. Damit werden in der Oberstufe insgesamt 36 Kurse (bei Zugrundelegung des Klassenfrequenzrichtwertes von 19,5 – zu erreichender Durchschnittswert  in den einzelnen Jahrgangsstufen) gebildet. Dagegen beträgt die Mindestgröße einer gymnasialen Oberstufe nach dem Schulgesetz mindestens 42 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang und damit mindestens 126 Schülerinnen und Schüler pro gymnasialer Oberstufe.

Da die beiden gymnasialen Oberstufen in Kempen erheblich größer sind, wird die Einrichtung einer weiteren Oberstufe an einer Gesamtschule - aus Sicht des Schulträgers – die Existenz der beiden Gymnasien nicht gefährden.

Da die Gesamtschule zum Schuljahr 2014/15 mit dem Jahrgang 5 starten würde, würde die Schule erst ab dem Schuljahr 2020/21 in die Oberstufe hineinwachsen, so dass die Oberstufen der Kempener Gymnasien bis dahin ohnehin nicht betroffen wären.

Nach den Erwartungen des Schulträgers wird auch in den Folgejahren aufgrund der Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Gymnasien und gegebenenfalls auch mit der Gesamtschule ein gutes Kursangebot möglich sein. Es ist festzustellen, dass die Stadt Kempen bereits heute von vielen Schulen im Umland um die Kooperationsmöglichkeit der beiden eng beieinander liegenden Schulen beneidet wird.

An dieser Einschätzung ändert auch die kritische Haltung der beiden Gymnasialleiter nichts, die durch die Einführung Gesamtschuloberstufe eine Einschränkung der bisherigen Möglichkeiten befürchten.

Die Errichtung einer Gesamtschule neben den Gymnasien bietet für die Eltern bzw. Sorgeberechtigten die Möglichkeit, zwischen Schulen zu wählen, an denen das Abitur in unterschiedlichen Schulzeiten abgelegt wird. An der Gesamtschule wird das Abitur grundsätzlich nach 13 Schuljahren (4 Grundschuljahre und 9 Jahre Sekundarstufe I und II; kurz G9) abgelegt, während das Abitur an den Kempener Gymnasien mit erfolgreicher Prüfung am Ende des 12. Schuljahres abgelegt wird (4 Grundschuljahre und 8 Jahre Sekundarstufe I und II; kurz G8).

An einer Gesamtschule müssten die Kinder bei einem Wechsel von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II (Oberstufe) nicht wie zur Zeit nach der Realschule oder der Hauptschule die Schule wechseln, sondern können auf der vertrauten Schule bleiben, um dort ihr Abitur zu machen. Es ist zu erwarten, dass dann insgesamt mehr Schülerinnen und Schüler als bisher zum Abitur geführt werden können.

Ist daran gedacht, eines der beiden Gymnasien vom G8-System wieder in ein G9-System zu überführen? Die Eltern könnten dann auch für die längere Schulzeit ein Gymnasium wählen.

Die Schulkonferenzen der beiden Gymnasien hatten damals beschlossen, diesen Antrag nicht zu stellen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Umwandlung nicht mehr möglich. Ein Grund für die Nichtbeantragung war auch die Kooperation zwischen den beiden Gymnasien. Aus verschiedenen Gründen haben sich landesweit nur ganz wenige Schulen zu diesem Schritt entschlossen.

Wie stehen die beiden Schulleiter der Martin-Schule und der Erich Kästner Realschule dazu, dass ihre beiden Schulen im Falle der Gründung einer Gesamtschule geschlossen würden?

Der Rektor der Martin-Schule, Herr Kalla, bedauerte ausdrücklich, dass die Anmeldungen an seiner Hauptschule in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind und zum kommenden Schuljahr nur noch eine Eingangsklasse gebildet werden könne. Jeder würde ihm bescheinigen, dass die Hauptschule in Kempen sehr gute Arbeit leiste, aber trotz der guten Fördermöglichkeiten sowohl für stärkere als auch für leistungsschwächere Kinder, werde auch die Hauptschule in Kempen – dem Landestrend folgend – immer weniger nachgefragt.

Auch dass die Hauptschule seit einigen Jahren als Ganztagsschule geführt werde, habe daran nichts geändert.

Der Rektor der Erich Kästner Realschule, Herr Hötter, führte aus, dass neben den Hauptschulen landesweit auch die Realschulen immer weniger nachgefragt würden, da die Eltern zunehmend den Schulen mit dem längeren gemeinsamen Lernen in den Klassen 5 und 6 den Vorzug gäben.

Wenn landesweit immer mehr Hauptschulen geschlossen würden, sei die Frage, wo diese Schülerinnen und Schüler dann beschult werden könnten. Hier biete eine Gesamtschule die bessere Bedingungslage gegenüber einer Realschule, um auf die größere Heterogenität der Schülerschaft eingehen zu können (z.B. aufgrund der besseren Schüler-Lehrerrelation, der geringeren Klassengröße von 25 – 30 an der Gesamtschule und bis 32 an der Realschule, aufgrund des gebundenen Ganztagsbetrieb mit einem 20%-igen Lehrerzuschlag).

Bereits heute sei es so, dass die Erich Kästner Realschule auch von einer größeren Zahl von Kindern mit einer eingeschränkten Gymnasialempfehlung besucht würde. Durchschnittlich hätten in den letzten Jahren zwischen 50 – 55 % der Schülerinnen und Schüler der Erich Kästner Realschule die Fachoberschulreife mit der Qualifikation zum Besuch der gymnasialen Oberstufe erlangt. Die Möglichkeit im G9-System ohne Schulwechsel zum Abitur zu gelangen, sei sicherlich für diese Schülerinnen und Schüler attraktiv.

Wenn eine Gesamtschule in Kempen errichtet würde, sei es aus seiner Sicht ganz wichtig, dass die Stärken der Erich Kästner Realschule in dieses neue System mit einfließen würden. Hier müsse an einem Kempener Weg gearbeitet werden, damit es nicht wie in anderen Städten zu einem Gegeneinander der verschiedenen Schulformen komme. Die Fortführung einer kleinen Realschule neben einer Gesamtschule halte er nicht für sinnvoll.

Warum werden die Martin-Schule und die Erich Kästner Realschule nicht direkt zusammengelegt?

Eine Zusammenlegung ist nach dem Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen nicht möglich. Der einzig mögliche Weg ist die Neuerrichtung einer Schule. Zu schließende Schulen laufen im Regelfall nach und nach aus und bleiben bis zur Schließung eigenständige Systeme.

Warum wird die Sekundarschule in Kempen nicht abgefragt?

Die Sekundarschule ist eine für kleinere Städte entwickelte Schulform, die in ihrem Gebiet nicht das Potenzial für eine eigene Oberstufe haben. Dies ist in Kempen jedoch gegeben. Die Schulstadt Kempen würde sich unter Wert verkaufen, wenn sie statt der Gesamtschule nur die „kleine Schwester“ die Sekundarschule anbieten würde. Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule müssten nach Abschluss der Sekundarstufe I zu einer anderen Schule wechseln, um ihr Abitur machen zu können. Dagegen könnten die Gesamtschüler an ihrer Schule bleiben. Aus diesem Grunde ist eine Gesamtschule erheblich attraktiver als eine Sekundarschule.

Darüber hinaus ist eine Sekundarschule als dreizügige bis maximal vierzügige Schule konzipiert und wäre damit für die Stadt Kempen deutlich zu klein dimensioniert.

 

2)         Fragen zur Schulform Gesamtschule

Zur Beantwortung von Fragen zur Schulform Gesamtschule war der Schulleiter der Gesamtschule Nettetal, Herr Roland Schiefelbein, eingeladen.

Herr Schiefelbein war seit 1985 im Gründungskollegium der 1. Gesamtschule in der Stadt Mönchengladbach und leitet seit mehr als 13 Jahren die Städtische Gesamtschule Nettetal. Darüber hinaus hat er auch als Elternteil Erfahrungen mit der Gesamtschule gesammelt, da seine drei Töchter ebenfalls eine Gesamtschule besucht haben.

Die Stadt Nettetal hat derzeit ca. 41.700 Einwohner und weist eine ähnliche Struktur auf wie die Stadt Kempen. Derzeit gibt es in Nettetal ein Gymnasium, eine Gesamtschule, eine Realschule und eine Hauptschule.

Wie wird die Gesamtschule angenommen? Wie hoch ist die Quote von Kindern mit einer Gymnasialempfehlung an den Gesamtschulen? Wie viele Schülerinnen und Schüler machen dort Abitur?

Diese Fragen konnte Herr Schiefelbein verständlicherweise nur für seine Schule beantworten. Die Gesamtschule Nettetal sei eine erfolgreiche, vierzügige Gesamtschule, die jedes Jahr doppelt so viele Anmeldungen habe als Plätze zur Verfügung stünden.

Die Zusammensetzung der Schülerschaft sei je nach Standort einer Gesamtschule unterschiedlich. Er habe einen relativ hohen Anteil von Gymnasialempfehlungen und eingeschränkten Gymnasialempfehlungen von etwa 20 %. In Nettetal würden ca. 20 % der Schüler die Gesamtschule mit dem Hauptschulabschluss verlassen, 20 % mit der Fachoberschulreife und ca. 60 % würden die Fachoberschulreife mit der Qualifikation für den Besuch der Sekundarstufe II erwerben. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit könne er sagen, dass letztlich ca. 50 % eines Jahrgangs an seiner Gesamtschule mit dem bestandenen Abitur abschließen würden.

Kommt die Gesamtschule damit zurecht, dass die ganze Bandbreite von Schülerinnen und Schüler dort unterrichtet wird, also Kinder mit einer Hauptschulempfehlung ebenso wie Kinder mit einer Gymnasialempfehlung? Leiden die leistungsstarken Schüler nicht darunter?

Die erste Frage beantwortete Herr Schiefelbein mit einem deutlichen Ja. Die Heterogenität sei an seiner Schule sogar noch größer, da bereits seit Jahren auch Kinder mit Behinderungen (vom Rollstuhlkind über Kinder mit dem Förderbedarf Lernen bis zum geistig behinderten Kind) integrativ unterrichtet würden.

Zur zweiten Frage erläuterte er, dass die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler nach seiner Erfahrung nicht unter der großen Heterogenität leiden würden. Dies zeigten auch die Ergebnisse der landesweit zu schreibenden Vergleichsarbeiten in der Sekundarstufe I und die hohe Quote von Abiturienten nach der Jahrgangsstufe 13.

Dass die Arbeit in einer Gesamtschule funktioniere, zeigten insbesondere die Grundschulen. Diese seien im wahrsten Sinne des Wortes kleine Gesamtschulen, da dort alle Kinder gemeinsam unterrichtet würden, obwohl auch dort schon eine sehr große Heterogenität in der Schülerschaft vorhanden sei. Die Gesamtschule setze die erfolgreiche Arbeit der Grundschulen im Klassenverband in der Klassen 5 und ganz überwiegend auch in der Klasse 6 fort. Im Gegensatz hierzu erfolge im dreigliedrigen Schulsystem bereits nach der 4. Klasse die Aufteilung auf die unterschiedlichen Schulformen.

Ab welcher Klasse und wie wird in der Gesamtschule differenziert? In welchen Fächern erfolgt die Differenzierung? Wie kann die zweite Fremdsprache erworben werden, die beim Abitur nachzuweisen ist?

Die erste Differenzierung erfolgt in der Klasse 6, in dem die Schülerinnen und Schüler ein Wahlpflichtfach wählen müssen, das in der Gesamtschule als 4. Hauptfach neben Deutsch, Englisch und Mathematik gilt. Die Schülerinnen und Schüler haben an der Gesamtschule Nettetal die Wahlmöglichkeit zwischen den Fächern Französisch, Naturwissenschaften (setzt sich aus Biologie, Chemie und Physik zusammen), Arbeitslehre (Hauswirtschaft und Technik) und Darstellen und Gestalten (Kunst, Theater, Musik). Dieses Fach muss vom 6. bis zum 10. Schuljahr durchgehend belegt werden, ein Wechsel ist also z.B. nach der 8. Klasse nicht möglich. Daher raten die Lehrer z.B. in Englischleistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler eher ab, Französisch zu wählen.

Die zweite Fremdsprache kann auch noch in der Klasse 8 dazu gewählt werden. In der Gesamtschule Nettetal ist dies die Sprache Latein, die eher die mathematisch begabten, logisch denkenden Schülerinnen und Schüler anspricht.

Darüber hinaus kann die zweite Fremdsprache auch nachgewiesen werden, in dem von der Jahrgangsstufe 11 bis 13 einschließlich eine zweite Fremdsprache gelernt wird. An der Gesamtschule Nettetal ist dies Spanisch.

Die Möglichkeit auch später noch eine zweite Fremdsprache zu lernen, sei sicherlich ein Vorteil der Gesamtschule gegenüber dem Gymnasium, wo auf jeden Fall in der Jahrgangsstufe 6 eine zweite Fremdsprache zu wählen sei und einige Kinder damit Schwierigkeiten hätten.

Ab der Klasse 7 werden die Klassen in der Gesamtschule in den Fächern Englisch und Mathematik in Grund- und Erweiterungskurse aufgeteilt. Ab der Klasse 8 erfolge eine Aufteilung in G- und E-Kurse im Fach Deutsch und ab der Klasse 9 eine Aufteilung in einem naturwissenschaftlichen Fach. Hier habe sich die Gesamtschule Nettetal für das Fach Chemie entschieden.

In den Grundkursen erfolge die Vermittlung der Grundlagen. Diese entsprächen dem Hauptschulniveau. In den E-Kursen werde eine vertiefte Bildung vermittelt. Es gebe jeweils ein genau definiertes Anforderungsprofil, in welchen Kursen welche Leistungen erbracht werden müssten, um den Hauptschulabschluss nach der Klasse 9 oder 10 sowie die Fachoberschulreife und die Fachoberschulreife mit Qualifikation zu erbringen.

Jeweils nach einem Schuljahr entscheide eine Konferenz zu jedem einzelnen Schüler, ob er in dem jeweiligen Kurs richtig aufgehoben ist oder ob ein Wechsel vom G-Kurs in einen E-Kurs oder umgekehrt angezeigt bzw. erforderlich ist.

Wechselten die Schülerinnen und Schüler dann nach der erfolgreichen Fachoberschulreife mit Qualifikation in die gymnasiale Oberstufe, wüssten diese genau, dass sie sich noch deutlich mehr anstrengen müssten, um die dort geforderten Leistungen zu schaffen.

Ist es möglich, in der Gesamtschule sitzen zu bleiben?

Herr Schiefelbein erläuterte, dass ein Sitzenbleiben in den Klassen 5 bis 9 in der Gesamtschule nicht vorgesehen sei. Es sei aber möglich, dass eine Klasse freiwillig wiederholt werde. Oft liege das Problem nicht in einer  mangelnden Leistungsfähigkeit der Schüler, sondern eher in einer Motivationslosigkeit insbesondere während der Pubertät.

Hier seien der Gesamtschule Nettetal in der Vergangenheit stets gute Lösungen gelungen. Wenn ein Kind in der Leistung nachlasse, werde es z.B.aus einem oder mehreren E-Kursen genommen und in die G-Kurse eingestuft. Oft sei das bereits eine Motivation, sich wieder mehr anzustrengen.

Ist eine Gesamtschule immer eine Ganztagsschule? Und was bedeutet es, wenn sich eine Schule im gebundenen Ganztagsbetrieb befindet?

Früher gab es im Schulgesetz einen Passus, wonach Gesamtschulen immer als Ganztagsschulen geführt wurden. Dieser Absatz wurde mittlerweile aus dem Schulgesetz gestrichen. Daher ist im aktuellen Leitfaden zur Schulorganisation der Bezirksregierung Düsseldorf der Hinweis enthalten: „Gesamtschulen werden nicht mehr automatisch im Ganztag errichtet.“

Eine Nachfrage bei der Bezirksregierung Düsseldorf ergab, dass Gesamtschulen normalerweise immer im Ganztagsbetrieb errichtet werden, da dies pädagogisch sinnvoll sei. Die Einrichtung des Ganztagsbetriebes erfolge aufgrund der Änderung des Schulgesetzes jedoch nicht automatisch, sondern müsse vom Schulträger ausdrücklich beantragt werden.

An einer gebundenen Ganztagsschule wird an drei Tagen in der Woche im Regelfall bis 16 Uhr unterrichtet. Am Dienstag (Konferenztag) und Freitag wird der Unterricht schon nach der 6. Stunde beendet. Eine gebundene Ganztagsschule erhält einen Lehrerzuschlag von 20 % auf die Grundstellenzahl. Dies ermögliche den Gesamtschulen in der Regel auch das Doppellehrerprinzip. Dies bedeutet, dass jede Klasse zwei Klassenlehrer haben, die eng miteinander kooperierten. Natürlich sei es nicht möglich, jede Stunde mit zwei Lehrern zu besetzen.

 

3)         Fragen zu den anderen Schulformen

Die Gesamtschule wird im gebundenen Ganztag geführt. Auch die Martin-Schule ist eine gebundene Ganztagsschule. Die anderen Schulen (Erich Kästner Realschule, Thomaeum, Luise-von-Duesberg-Gymnasium) bieten im Gegensatz dazu den offenen Ganztag an. Was bedeutet dies konkret?

Offene Ganztagsschulen verfügen nicht über den 20%igen Lehrerzuschlag, sondern erhalten vom Land Geldmittel, die je nach Größe der Schule gestaffelt sind. Daraus wird dann eine Übermittagbetreuung finanziert.

Auch an offenen Ganztagsschulen findet eingeschränkt Nachmittagsunterricht statt. Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 haben im Regelfall einen Langtag pro Woche, also einen Tag, an dem nach einer einstündigen Mittagspause eine 7. und 8. Unterrichtsstunde erteilt wird. Für die Schülerinnen der Klassen 7 und 8 gibt es eine Beschränkung auf maximal 2 Langtage pro Woche und Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 werden an 2 bis 3 Langtagen in der Woche unterrichtet.

Eine neue Gesamtschule würde als Ganztagsschule errichtet. Ist es möglich, den Ganztagsbetrieb auch an der Erich Kästner Realschule oder / und an einem oder beiden Gymnasien einzuführen?

Grundsätzlich ist die Einführung des gebundenen Ganztagsbetriebs auch an den anderen Schulformen möglich. Hierzu wäre zunächst ein Antrag der jeweiligen Schulkonferenz an den Schulträger notwendig. Danach müsste der Schulträger prüfen, ob die räumlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Im Anschluss würde der Rat der Stadt Kempen darüber entscheiden, ob ein entsprechender Antrag an die Bezirksregierung Düsseldorf gestellt wird. Wie sich derzeit die Chancen auf eine Genehmigung darstellen, ist der Verwaltung nicht bekannt.

 

4)         Wie geht es nach der Elternumfrage weiter?

Der Schuldezernent, Herr Klee erläuterte hierzu, dass die Verwaltung den Rat der Stadt Kempen, die Schulen und die Presse sobald wie möglich über das Ergebnis der Umfrage informieren werde. Insbesondere werde das Ergebnis der Umfrage Thema in der nächsten Sitzung des Schulausschusses der Stadt Kempen am 01.07.2013 sein.

Da die Beratung dieser Thematik im öffentlichen Teil der Sitzung stattfinde, seien Zuhörer herzlich willkommen. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit, in der Einwohnerfragestunde Fragen zu stellen.

Was passiert, wenn die notwendige Anzahl von 100 Stimmen pro Jahrgang nicht erreicht wird? Wird dann keine Gesamtschule gegründet? Wo fänden die Kinder mit einer Hauptschulempfehlung dann Aufnahme? Müssten diese dann eventuell in umliegende Kommunen ausweichen?

Sofern die notwendige Stimmenzahl von 100 „Ganz bestimmt“- und „Eher ja“-Stimmen nicht direkt erreicht wird, wird zunächst ermittelt, ob diese Stimmenzahl durch eine Hochrechnung der Stimmen auf eine volle Wahlbeteiligung erzielt werden kann. Auf diese Möglichkeit wurde im Fragebogen ausdrücklich hingewiesen.

Sollten die 100 Stimmen dennoch nicht erreicht werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, wie sich die Bezirksregierung Düsseldorf dann verhält. Wenn es nur wenige fehlende Stimmen sein sollten, wäre es denkbar, dass die Bezirksregierung dennoch ein Anmeldeverfahren zulässt. Sicher sei dies aber keineswegs. Wenn z.B. nur 85 Stimmen vorlägen, wäre für die Bezirksregierung fraglich, ob die notwendige Anzahl erreicht worden ist.

In diesem Fall bliebe es zunächst bei der bisherigen Schullandschaft. Allerdings sei damit zu rechnen, dass zum Schuljahr 2014/15 erneut nur eine Klasse an der Hauptschule gebildet werden kann oder gar keine Klasse mehr zustande kommt. Im ersten Fall ist damit zu rechnen, dass die obere Schulaufsicht (Bezirksregierung Düsseldorf) die Stadt Kempen auffordert, zum nächstmöglichen Zeitpunkt schulorganisatorische Maßnahmen zu ergreifen, also die Schule zu schließen. In dem Fall, dass weniger als mindestens 18 Schülerinnen und Schüler zum Schuljahr 2014/15 an der Hauptschule angemeldet werden, würde keine Klasse mehr eingerichtet und die Schule von der Bezirksregierung Düsseldorf von Amts wegen zum Schuljahr 2014/15 geschlossen.

In diesem Fall müssten die Eltern dieser Kinder entscheiden, ob sie ihr Kind auf einer der umliegenden Sekundar- oder Gesamtschulen anmelden oder ob sie ihr Kind ungeachtet der Empfehlung Hauptschule / Gesamtschule / Sekundarschule an der Erich Kästner Realschule anmelden wollen.

Wie geht es weiter, wenn die notwendigen 100 Stimmen pro Jahrgang erreicht werden?

In diesem Fall würde mit der oberen Schulaufsicht bei der Bezirksregierung Düsseldorf über die Zügigkeit der neuen Schule beraten. Weiter müsste die Stadt Kempen in Kontakt mit den Nachbarkommunen treten, da diese vor der Errichtung einer neuen Schule nach dem Schulgesetz zu beteiligen sind.

Voraussichtlich würde in der Sitzung des Rates der Stadt Kempen am 17.10.2013 dann der Errichtungsbeschluss zum Schuljahr 2014/15 gefasst. Gleichzeitig würden die Beschlüsse über die aufzulösenden Schulen gefasst.

Die Beschlüsse des Rates der Stadt Kempen müssten dann durch die Bezirksregierung Düsseldorf genehmigt werden. Ferner würde diese für die Gesamtschule Kempen ein vorgezogenes Anmeldeverfahren anordnen. Auch in diesem Anmeldeverfahren müsste sich dann die Schülerzahl von mindestens 100 Schülern noch einmal bestätigen.

Bisher wechseln Schülerinnen und Schüler aus den Gymnasien im Regelfall auf die Realschule, wenn die Erprobungsstufenkonferenz zum Ende der Klasse 6 zu dem Ergebnis kommt, dass die Schülerin oder der Schüler auf dem Gymnasium nicht richtig aufgehoben ist. Wohin wechseln diese Schüler, wenn es keine Realschule sondern nur noch eine Gesamtschule gibt?

Diese Frage bezüglich der Schulformwechsler (auch von der Realschule zur Hauptschule) ist in allen Kommunen relevant, die dann nicht mehr über die Schulform Realschule oder Hauptschule verfügen.

In der Stadt Willich wurde diese Frage von der Bezirksregierung Düsseldorf in der Form beantwortet, dass jeweils ein Kontingent (Durchschnitt der schulformwechselnden Kinder der letzten Jahre) an der Gesamtschule freigehalten werden müsse.

Eine solche Regelung muss es dann für die Stadt Kempen ebenfalls geben. Die Verwaltung wird in ihren Verhandlungen mit der Bezirksregierung Düsseldorf auf eine Lösung dieses Problems drängen.

Wenn eine Gesamtschule eingerichtet wird, wo kommen dann die Lehrer für diese neue Schule her und werden diese besonders für den Unterricht in einer Gesamtschule vorbereitet?

Die Versorgung einer neuen Schule mit Lehrkräften liegt nicht in der Zuständigkeit der Stadt Kempen sondern in der Zuständigkeit des Landes NRW. Das Land hat ein hohes Interesse daran, dass neu gegründete Gesamtschulen einen guten Start haben und stattet diese erfahrungsgemäß gut aus.

Nach den bisherigen Erfahrungen gibt es an den Schulen eine Mischung aus erfahrenen Gesamtschulkollegen und Lehrern, die von dann auslaufenden Schulen kommen und bisher nicht an einer Gesamtschule unterrichtet haben. Zum Teil unterrichten die Lehrer der bisherigen Systeme im Wege der Abordnung auch an beiden Schulformen.

Hier ist ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den bisherigen Gesamtschullehrern und den Neulingen nötig. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Konzepterstellung für die neue Gesamtschule.

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